Marine Konflikte sichtbar machen

WASCAL-Masterstudierende erforschen Umwelt- und Klimagerechtigkeit mit fotografischen Methoden auf den Kap Verden

Wie können Fotografie und visuelle Methoden dabei helfen, Konflikte und Gerechtigkeitsfragen im Kontext von Umwelt- und Klimagerechtigkeit sichtbar zu machen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines dreitägigen Kurses für westafrikanische Studierende, der vom 18. bis 20. Februar 2026 im Rahmen des WASCAL-Studiengangs „Climate Change and Marine Sciences“ in Mindelo, Kap Verde, stattfand. Insgesamt nahmen 15 Masterstudierende aus 12 Ländern teil. WASCAL steht für West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use und hat sich zum Ziel gesetzt, Nachwuchsforschende im Bereich der Meeres- und Klimawissenschaften auszubilden.

Die Hamburger Dokumentarfotografin Barbara Dombrowski und die Kieler Humangeografin Professorin Dr. Silja Klepp, Co-Inhaberin des UNESCO Lehrstuhls für Integrierte Meereswissenschaften an der Universität Kiel, leiteten gemeinsam den intensiven Workshop unter dem Titel „Bewältigung maritimer Konflikte mit kunstbasierten Methoden (Tackling marine conflicts with art-based methods)“. Beide verbindet eine langjährige Zusammenarbeit: Gemeinsam haben Sie zu Themen wie Klimagerechtigkeit im Pazifik – etwa in Kiribati – und zur fortschreitenden Küstenerosion auf Sizilien geforscht und dabei einzigartige visuelle Formate entwickelt, die wissenschaftliche Erkenntnisse erfahrbar machen.

„Künstlerische Methoden eröffnen uns einen neuen Zugang zu wissenschaftlichen Fragestellungen. Sie ermöglichen es, Ungerechtigkeiten nicht nur analytisch zu erfassen, sondern sie auch sichtbar und erfahrbar zu machen und damit neue Räume für Dialog und Veränderung zu schaffen“, erklärt Silja Klepp, die an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die Arbeitsgruppe Sozialgeographie der Küsten und Meere leitet.

Stimmen der Studierenden in den Vordergrund stellen

Im Mittelpunkt des Workshops standen dabei nicht die Lehrenden, sondern vor allem die Studierenden selbst. Mithilfe der sogenannten PhotoVoice-Methode – einem partizipativen und inklusivem Forschungsansatz, bei dem Fotografie als Werkzeug eingesetzt wird, um eigene Perspektiven und Lebenswelten sichtbar zu machen – entwickelten die Studierenden eigene Themen rund um Konflikte und Ungerechtigkeiten im Meeres- und Küstenbereich.

Der erste Tag legte die konzeptionelle Grundlage: Silja Klepp führte in das Feld der Umweltgerechtigkeit ein und stellte die Frage, warum künstlerische Forschung eine Rolle für die eigene wissenschaftliche Fragestellung spielen kann. Barbara Dombrowski zeigte anschließend anhand von Beispielen aus ihrer eigenen Arbeit, wie Dokumentarfotografie wissenschaftliche Inhalte emotional und gesellschaftlich wirksam vermittelt. Gemeinsam erarbeiteten die Studierenden daraufhin in kleinen Gruppen ihre Themen für den folgenden Exkursionstag.

„Mich beeindruckt, wie schnell die Studierenden in die Themen eingetaucht sind und wie tief ihre inhaltlichen Überlegungen und die Übersetzung in Bilder ging. Die Studierenden haben erfahren, dass Bilder Menschen auf einer unmittelbaren Ebene erreichen, komplexe Zusammenhänge verdichten und Empathie schaffen können – gerade bei Themen, die oft abstrakt erscheinen,“ sagt die Hamburger Fotografin Barbara Dombrowski.

Raus ins Feld – fotografische Forschung in Mindelo

Der zweite Tag gehörte der Praxis: Mit ihren Kameras und Mobiltelefonen machten sich die Gruppen in ihre Umgebung auf, um fotografisch zu forschen. Sie suchten relevante Orte auf, sprachen mit lokalen Akteurinnen und Akteuren und übersetzten ihre Themen in visuelle Erzählungen. Barbara Dombrowski und Silja Klepp begleiteten diesen Prozess mit Mentoring und standen für Fragen und Austausch zur Verfügung.

Forschung mit Wirkung

Am dritten und letzten Tag kehrten die Studierenden in den Seminarraum zurück, um ihre Aufnahmen zu sichten, nachzubearbeiten und zu präsentieren. Jede Gruppe stellte ihre Arbeit vor, gefolgt von Feedback und gemeinsamer Diskussion im Plenum. Den Abschluss bildete eine Reflexionsrunde, in der die Erfahrungen des Workshops ausgewertet wurden. Die entstandenen fotografischen Arbeiten sind nicht nur als Seminarprodukte gedacht. Sie sollen für Ausstellungen und andere öffentliche Anlasse genutzt werden und so zur gesellschaftlichen Debatte über Umwelt- und Klimagerechtigkeit beitragen.

Über die Lehrenden

Silja Klepp ist Professorin für Humangeographie an der Universität Kiel, Co-Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für Integrierte Meereswissenschaften an der Universität Kiel und Mitbegründerin des Environmental Justice Network EnJust. Barbara Dombrowski ist Mitglied der renommierten Fotoagentur laif und hat mit ihrer Arbeit „Tropic Ice“ indigene Gemeinschaften auf allen fünf Kontinenten porträtiert. Sie war damit unter anderem offizielle Ausstellungspartnerin der UN und der Stadt Bonn auf der C

Über den UNESCO Lehrstuhl für Integrierte Meereswissenschaften an der CAU

Über den WASCAL-Masterkurs
Der Studiengang umfasst neben den Lehrveranstaltungen und praktischen Kursen auch einen wissenschaftlichen Aufenthalt für die Masterarbeiten sowie eine zweiwöchige, seegehende Ausbildungskomponente „Floating University“, die am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert wird. Im Mai werden die Studierenden, darunter auch ein Mitglied von FYORD, dem gemeinsamen meereswissenschaftlichen Nachwuchsprogramm von GEOMAR und dem CAU-Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS), an Bord der Polarstern in die wissenschaftlichen ozeanischen Arbeiten eingeführt. Die Hamburger Fotografin Barbara Dombrowski wird die Expedition begleiten.

Die Studierenden des Masterstudiengangs „Climate Change and Marine Sciences“ in Mindelo, Kap Verde, mit ihren Dozentinnen Barbara Dombrowski (1. Reihe, links) und Prof. Dr. Silja Klepp (1. Reihe, Mitte).
Foto: WASCAL

Die Teilnehmenden des WASCAL-Studiengangs entwickelten eigene Forschungsthemen, die sie mit Hilfe visueller Methoden und einem partizipativem Ansatz sichtbar machten. Im Fokus stand hier Fischverarbeitungsprozess auf dem Markt von Mindelo.
Foto: Barbara Dombrowski

Der menschliche Einfluss auf die Meeres- und Küstenumwelt stand im Mittelpunkt des 3-tägigen Seminars auf den Kapverden. Die Masterstudierenden entwickelten ihre eigene Perspektive und setzen sie fotographisch um. Thema hier waren Abfälle vom Fischmarkt und die daraus resultierende Probleme für Fischerinnen und Fischer sowie die Umwelt.
Foto: Barbara Dombrowski

Kontakt: Silja Klepp